Sunday, December 16, 2007

Olona malagasy

Einen Post moechte ich hiermit all den lieben, lustigen, nervigen, spannenden und unvergesslichen Menschen widmen, die ich hier in Madagascar getroffen habe.

Frederik
Frederik ist ein Forstbeauftragter in Ambodihasina. Er spricht etwas Franzoesisch und Englisch, was ihn zu einer Ansprechsperson fuer uns machte. Frederick besitzt nur noch 2 Zaehne im ganzen Mund und ist dementsprechend schwer zu verstehen. Da er einen Parasiten in der Mundhoehle hatte, wurden ihm fast alle Zaehne aufs Mal entfernt, was ihm jedesmalTraenen in die Augen treibt, wenn er davon erzaehlt.
Zahnaerzte, die nach Madagaskar kommen, waehnen sich hier entweder in der Hoelle und geben sich die Kugel oder sie eroeffnen eine Praxis und verdienen ein Vermoegen. Noch nirgends habe ich so schreckliche Zahnstellungen und so viel Karies gesehen!
Doch zurueck zu Frederik. Als ich ihn eines Abends bat, mich von einem Meeting durch die stockdunkle Nacht nach Hause zu begleiten, hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich um ein "Cadeau" gebeten. Das Schweizer Sackmesser, das ich meinem Gastvater gegeben haette, so eines wuerde ihm aeusserst gefallen! Noch musste ich mich daran gewoehnen, dass viele Leute genau wussten, was sie von mir wollten.

Marie-Helène
Marie-Helène ist Agent de terrain und Fischfarmexpertin beim WWF Andapa und in diesem Team die einzige Frau. Da die ganze WWF Equipe oft fuer Wochen in den abgelegensten Gebieten unterwegs ist, ist sie oft von ihren 2 entzueckenden Toechterchen und ihren Mann getrennt, meist kann sie nicht mal per Telefon mit ihnen sprechen. Ich habe selten eine so starke Frau getroffen.

Waehrend unserer Arbeit in den kleinen Doerfern hat sie unsere Gruppe jeden Morgen mit "Les jeu-eunes!" aufgeweckt und bereits den besten, stark gezuckerten Kaffee mit Kondensmilch gekocht.
Da ich 2 Wochen lang ein Zimmer mit ihr geteilt habe, hat sie verwundert meine Feuchttuechlein getestet, meine Hand gehalten, als sich meine Gedaerme ausstuelpen wollten und mich jede Nacht mindestens einmal aufgeweckt, um mich schlaftrunken etwas komisches zu fragen.
Und wie stylish ist das: Selbst im Wald hat Marie-Hélène jeden Tag ihre Haare zu Locken aufgewickelt und die Lockenwickler stundenlang unter einem Kopftuch in den Haaren gelassen. Wenn das keine Klasse ist!




Dadilahy

Rasbe ist selbststaendiger Chauffeur mit einem alten klapprigen Toyota Landcruiser. Fuer unsere Tour von Andapa nach Ambatoriha wurde er angeheuert und hat mich, Charlie und Marie-Hélène 3 Tage lang durch die Einoede des Nordens gefahren. Dabei hat er uns alles auf der Strecke genau erklaert und wurde nie muede anzuhalten, um uns etwas zu zeigen. Jede neue Frucht am Strassenrand mussten wir testen und aus allen hat er die Kernen herausgeklaubt, weil wir sie zuhause setzen sollen.
Dadilahy heisst Grossvater, und Rasbe hat sich bis zum Ende der Journées des Lémuriens zu unserem malagasy Grossvater und Beschuetzer erklaert. Bei unserer Ankunft in Ambatoriha hat er die dicken Spinnen in unserem Zimmer zerdrueckt. Wenn wir Abends ausgingen, ist er nie von unserer Seite gewichen und hat uns aufdringliche Typen vom Hals gehalten. Als ich ihm ein Schweizer Sackmesser geschenkt habe, ist er vor Stolz fast geplatzt, hat instantan 10 Mangos aufgeschnitten und immerzu "Gniffff! Gniffff!" (=knife) gesagt.

Mickey Mouse

Mickey Mouse ist ein kleiner Junge in Analila mit einem zerschlissenen Mickeymouse-shirt, einer riesigen Zahnluecke und viel Mut - auf Distanz.
Wie die meisten Kinder in Analila hat er wohl noch nie einen weissen Menschen gesehen und war deshalb sehr fasziniert von uns-was sich in dauernder Nerverei und Gejohle aeusserte. Da ich es mir zur taeglichen Routine gemacht hatte, die Kinder, die jeweils schon kurz nach Sonnenaufgang in unserem Tuerrahmen klebten, zu erschrecken und mit theatralischem Gekeife hinter ihnen herzurennen, ist mir eines Morgens Mickey Mouse in die Finger geraten und ich habe ihn an einem Arm festgehalten. Mickey hat offensichtlich gedacht, dass ihn der leibhaftige Teufel gefangen hat und hat geschrien wie am Spiess. Der arme Zwack hat mir leid getan, und ich wollte mich mit ihm aussoehnen - es hat aber zwei Tage und die Ueberzeugung seiner Mama gebraucht, bis er mir schuechtern sein dreckiges Haendchen hingestreckt hat.

Vaveline

Vaveline ist die einzige Frau, die ich in Madagaskar gesehen habe, die raucht wie ein Kamin. Sie und ihr Ehemann wurden als Koeche angeheuert, als wir in den Regenwald aufbrachen. Da sie den Wald hasst, war sie die ganze Zeit miesepetrig drauf und hat sich die Zeit damit vertrieben, aus unserem Mehl Teigbroetchen "mofo gasy" zu backen, die sie uns dann ueberteuert verkaufen wollte. Auch als wir spaeter in eine andere Gemeinde reisten um dort Waldinventar zu machen, hat ihr das gar nicht gepasst. Zigmal am Tag hat sie uns angemault und "Antilongo ist schlecht, Analila ist gut" gemurmelt.
Zurueck in Analila hat sie uns ihre Petflaschensammlung gezeigt; Ihr ganzes Schlafzimmer ist voller Petflaschen und sie selber hat sich sofort oben frei gemacht und wollte sich halbnackt vor ihren Flaschen von uns ablichten lassen.
Sowieso war sie sexuell aeusserts freizuegig drauf: Mit Haenden und Fuessen hat sie uns jeweils erklaeren wollen, was sie mit ihren Ehemann so alles anstellt...
Ausserdem ist sie taeglich mit leeren Doeschen vorbeigekommen und hat uns Bodylotion abgeluchst. Ein Original, diese Frau!




Mme Henriette

Mme Henriette ist eine huebsche Frau Ende vierzig, die eine Reisfabrik in Ambatoriha besitzt. Als eine der wenigen in diesem Dorf spricht sie perfekt Franzoesisch, und dazu hat sie viel zu erzaehlen! Eigenhaendig hat sie vor wenigen Jahren 3000 Baeume gepflanzt, um gegen die Entwaldung anzukaempfen. Ausserdem ist sie sehr aktiv in der Ausbildung von Frauengruppen vor allem was die Bereiche Familienplanung und Haushaltfuehrung betrifft. Eindringlich hat sie auf mich eingeredet und mich als Vertreterin von WWF beschworen, ja wiederzukommen naechstes Jahr, sonst nuetze die ganze Sensibilisierung der Bevoelkerung gar nichts. Mir ist in den vielen Gespraechen mit ihr erst klar geworden, wie sehr viele Menschen ihre Hoffung auf Organisationen wie den WWF setzen.


Sahondra Razafintsalama

Sahondra ist die Betreuerin aller Praktikanten in Tananarive. Sie sorgt dafuer, dass alles reibungslos ablaeuft und stellt das Programm zusammen. Sahondra (sprich Sahundsch) ist knapp 1.50 gross und ihr Lachen geht von einem Ohr zum andern. Wenn sie lacht, beben die Fensterscheiben und das Herz springt einem in der Brust vor Waerme. Wir waren keine einfache Gruppe fuer sie. Krankheitsnotfaelle mitten in der Nacht, Inselausflugextrawuerste als Zeit uebrig war und mitten im Dschungel hat Alicia aus Mexico beschlossen, dass sie nach Hause moechte. So sind wir also 4 Mal auf einen Berg geklettert, wo ein bisschen Handyempfang war um Sahondra zu telefonieren und die hat es doch tatsaechlich fertiggebracht, von Tana aus Alicias Rückreise from the middle of nowhere zu organisieren. Als sie uns in Antsohihy in Empfang nahm hat sie uns Kuchen von Tana gebracht, was ein Kreischkonzert sondergleichen ausloeste. Und auch in der letzten Woche in Tana hat sie sich alle Beine fuer uns ausgerissen: Hat mein franzoesisches Voice-over gesprochen, Charlies Malagasyinterviews uebersetzt, dazwischen schnell die sich kruemmende Miriam zum Bauchspezialisten begleitet und alle Abreiseformalitaeten erledigt. und das alles mit ihrem unvergleichlichen Lachen und sehr, sehr viel Schwung.

Thursday, December 13, 2007

Lemureninvasion!!

Heute haben wir einen Ausflug in einen Nationalpark 3 Stunden von Tana gemacht. Lemurenmaessig bin ich bis jetzt ja nicht so auf meine Kosten gekommen: 3 in Ambodihasina, 4 gezaehmte und ein paar Lemurenaugen in der Nacht war die traurige Bilanz. Doch das sollte sich heute alles aendern! 25 Lemuren haben wir gesehen, darunter zwei Familien des Indri Indri, des groessten Lemuren ueberhaupt. Diese Lemuren haben Rufe, die zu den lautesten im ganzen Tierreich gehoeren und wie eine schrille Alarmsirene toenen. Der Moment, als 10 Meter von uns entfernt ein 5minuetiges Heulkonzert losging, gehoert wohl zu den schoensten und eindruecklichsten meines ganzen bisherigen Aufenthaltes!



Weiter konnten wir eine Familie von Bamboo-lemuren beobachten. Diese fressen soviel Bambus und das darin enthaltene Cyanid, dass sie eigentlich taeglich tausend Tode sterben muessten. Da die cleveren Kerlchen aber nach jeder Mahlzeit etwas aluminiumhaltige Erde mampfen, neutralisiert sich das Gift irgendwie und dem Lemuerli gehts prima.


Die Gruppe nachtaktiver Mouse-lemuren hat dafuer eher verschlafen aus der Waesche gekuckt.


Am schoensten von allen war die Gruppe weissgelber "Diademed Sifakas". Dieser nahe Verwandte des silky Sifakas in dessen Schutz ich jetzt 2.5 Monate involviert war, den ich aber leider nie live gesehen habe ist einfach nur cool. Oft liegt er auf einem Ast und scheint die Sonne zu geniessen, waehrend er sich mit den Haenden ein paar junge Blaetter schnappt. Dann wieder springt er federleicht zum naechsten Baum um sich schnurstracks wieder hinzuflaetzen und weiterzuhaengen.

Weitere Hoehepunkte des Tages: Eine Schlange beim Verschlingen eines Frosches beobachtet, eine riesige Spinne mutig von nahe fotografiert und von Blochers Abwahl erfahren. Ha, was fuer ein Tag!

Sunday, December 09, 2007

Zurueck in die Zukunft






Die Rueckkehr nach Tana war ein milder Schock. Die Tausende von Leuten, die sich ueberall durchdraengeln, die Autos, das Gehupe, die riesigen Reklamentafeln, die Bettler....und auf der anderen Seite eine riesige Auswahl an Essen, Pizza, Koreanisch und Pfirsiche aus dem Süden. Man kann sich wohl kaum vorstellen, wie ich im Supermarkt Huehnerhaut bekommen habe und mich seither vom vordersten Gestell zum hintersten durchfresse. Und das Glacé heute nachmittag hat mich fast zum Weinen gebracht! Die fuer unsere Verhaeltnisse beschraenkte Auswahl ueberfordert mich total, eine lustige Erfahrung.
Auch das Geld fliesst wieder rapide aus den Haenden, auch wenn sich auch hier eine Verschiebung der Perspektive feststellen laesst: War ich bei meiner Ankunft hier noch voller Freude ueber das Curry, das im edlen Restaurant nur 4 Franken kostet, so schlucke ich jetzt etwas leer bei diesen Preisen und husche in den Supermarkt, wo noch genug kulinarische Versuchungen auf mich warten. Schliesslich habe ich waehrend der 12 Tage in Ambodihasina keine 4 Franken gebraucht!

Voller Elan haben wir uns in unsere Filmarbeiten gestuerzt. Es ist intensive Arbeit fast rund um die Uhr und Charlies und mein Zimmer hat sich im Nu in ein Schlachtfeld verwandelt - oder nennen wir es doch kreatives Chaos...Daneben haben sich meine Mitstreiterinnen in einen wahren Souvenirrausch begeben und sind jedes Mal nachdem sie das Hotel verlassen haben mit Bergen von Instrumenten und geschnitztem Firlefanz zurueckgekehrt.
Bei mir jedoch will sich keine Weihnachtsstimmung einstellen. Nicht nur, weil ich nicht zu Hause sein werde an Weihnachten, nein, auch weil das hier alles total bizarr wirkt: Jingle bells auf Malagasy im Supermarkt, Christbaumkugeln bei den Strassenhaendlern, und taeglich jemand, der mir einen gruenen Plastikbesen - pardon - Christbaum andrehen moechte, und das alles, waehrend ich schwitzend Lychees kaufe um dannach gleich wieder in den Schatten zu kriechen.

Thursday, November 29, 2007

mail entsperrt

meine mailadresse martina(at)porchben.ch ist wieder entruempelt und reaktiviert! man darf mich also wieder mit mails begluecken:-)

Tuesday, November 27, 2007

TIA - This is Africa!

Da das Wetter dauernd wunderschoen war, konnten wir unsere Arbeit im Regenwald eine Woche frueher als geplant abschliessen und sind nach Ambatoriha zurueckgekehrt. Von da wollten wir eigentlich in eine groessere Ortschaft mit Elektrizitaet um mit der Abschlussarbeit fuer den WWF International anzufangen. Allerdings machte sich hier unangenehm bemerkbar, dass wir halt eine reine Girltruppe sind - es sei zu gefaehrlich fuer uns alleine nach Antsohihy zu gehen, wir muessen in Ambatoriha auf den WWF-Chef warten. Das drueckte auf die Stimmung, weil wir hier nicht viel tun koennen und vor lauter Langweile habe ich mich mit einem Berg Mangos und fritierten Röllchen vollgestopft. Die Rache kam prompt: ich wurde ziemlich krank. Aus Mangel an medizinischer Versorgung habe ich mich selber diagnostiziert und eine Amoebenkur begonnen. Das hat sich zuerst erfolgsversprechend angefuehlt, doch dann Rueckfall und haeuslich Einrichten auf dem Horror-WC. Nun habe ich allerdings einen Dokotera gesehen, ein starkes Antiparasitikum geschlucht und bin wieder auf dem Damm - was fuer ein grueseliger Parasit es war, wissen allerdings nur die Daerme...
Gestern sind wir nun in Antsohihy angekommen und haben die erste Dusche seit 1 Monat genossen, sowie in ekstatischer Freude alle unsere Geraetchen an den Strom gehaengt. Nun kanns losgehen mit den Filmbeitraegen fuer WWF-International!

Tuesday, November 20, 2007

Regenwald - oder das Ende der Welt in Analila


Analila ist ein winziges Dorf und scheint nun definitiv das Ende der Welt zu sein. Kein Gemuese, keine Fruechte, nur Reis, Bohnen und getrockneter Fisch. Unsere Aufgabe hier: einen Verein zu gruenden, der in Zukunft fuer die nachhaltige Nutzung ihres Stueckchen Regenwaldes verantwortlich sein wuerde. In einem Klassenzimmer versammelte sich die ganze Fokontany (Gemeinde) und in aufwaendigem Prozedere wurden Praesident, Vizepraesi, Sekretaer, SChatzmeister, Kontrolleur des Schatzmeisters und Berater gewaehlt. Alles schien ritualisiert und genau nach Plan abzulaufen. Dieser Tag barg uneahnet kulinarische Hoehepunkte: zum zmorgen (!) gabs Zebudarm garniert mit Zebumagen (5 Girls minus 2 Vegis minus 2 Angewiederte=Martina muss die Ehre retten und es essen...) und zum Nachtessen kakerlackenaehnliche Kaefer in Knoblauch grilliert. Ein schockierendes Bilde doch aeusserst lecker!


Am naechsten Tag wurden starke und ortskundige Maenner fuer unsere Arbeit im regenwald rekrutiert. Ziel ist es, nach einer standartisierten Methode die Baeume in ihren verschiedenen Altersgruppen zu erfassen, zu bestimmen, zu zaehlen und auszumessen. Nebst Traegern, einem Kochehepaar und Wegfreischläger wurde deshalb ein ortsansaessiger Botaniker engagiert.
Unser Camp im Regenwald wurde ziemlich ruecksichtslos in die Vegetation gehauen. Zu viele junge Baeume wurden gefaellt um ueberfluessige Dinge wie eine Gepaeckablage zu bauen. Auch das unter anderem mit frisch geschlagenem Holz gekocht wurde, wo doch so viel Holz am Boden liegt, scheint nicht so recht mit der WWF-Philosophie uebereinzustimmen.


Der Regenwald ist wunderschoen und manchmal komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Da es kaum geregnet hat in letzter Zeit konnten wir kaum Froesche beobachten, dafuer die abgefahrensten Kaefer und stachelige, ätzende und wunderschoene Pflanzen. Eines Nachts habe ich mit meiner Lampe einem Lemuren mitten in die Kulleraugen gezuendet - sonst haben sich die Kerle leider sehr rar gemacht.

Die Vegetation ist so dicht, dass die starken Kerle mit ihren fetten Messern (Coupe-coupe) zuerst den Weg freihauen muessen. Oft kriechen wir auf allen vieren, die Beine und Arme sind zerschnitten und bluten dauernd. Doch das Einschlafen im Regenwald in einem Konzert von Pfeiffen, Surren, Scharren, Singsang und Blaetterrauschen entschaedigt fuer alle Muehen.

Monday, November 05, 2007

Journées des Lémuriens

Unsere naechste Aktivitaet fuehrte uns nach Ambatoriha, ein 5000-Seelendorf nicht weit von Andapa entfernt. Da es allerdings keine Strasse dahin gibt, mussten wir einen enormen Umweg machen und 3 Tage lang ueber die schlimmste Strasse hoetterlen, die ich je gesehen habe. Unsere 3 Autos waren in unterschiedlichem Zustand; Charlie und ich hatten das schlimmste erwischt und kamen jeweils bis zu 6 Stunden spaeter in unserem Nachtlager an. Gemaess dem Tophit auf der einzigen Musikkasette in unserer Karre, (die ca. 20x taeglich rauf und runtergedudelt wurde) nannten wir uns "Taxi Desolé".


In Ambatoriha nahmen wir an der Organisation und Durchfuehrung eines 5taegigen Lemurenfestes teil. Fast die ganze WWF-Crew war seit 2 Wochen dort und hat die zustaendigen Bauern in Waldmanagement und nachhaltiger Waldnutzung geschult. Das Fest sollte ein bombastischer Abschluss dieser Taetigkeit werden und mmoeglichst alle Bevoelkerungsschichten fuer die Ziele von WWF sensibilisieren.

Da wir uns langsam daran gewoehnt hatten, fuer nichts und wieder nichts die Sensation des Tages zu sein, war auch schnell klar, was unsere Hauptaufgabe sein wuerde: Durch unsere Anwesenheit moeglichst viele Leute anzulocken. Noch immer fuehlt es sich komisch an, dauernd umringt zu sein von einer Menschentraube und ich habe hier viele Paris-Hilton-Momente erlebt ;-)
Bei der Eroeffnungsrede stellten wir uns dann dder Bevoelkerung vor und hielten feurige Reden in simpelstem Malagasy. Wir interviewten den "Monsieur le Ministère de Development" und viele hochrangige Persoenlichkeiten, die gutgenaehrt und in abgedunkelten Sonnenbrillen permanent auf ihrem Handy herumdrueckten, obwohl es hier keinen Empfang gibt. Nach einem gemeinsamen Gebet waren die "Journées des Lémuriens" eroeffnet, Musik scherbelte nonstop aus den Boxen und verschiedene Aktivitaeten fanden auf der schiefen Bretterbuehne statt. In einem "Concours culturelle" habe ich mich dann zu einer Performance von "Detaene am Bergli" hinreissen lassen und mich vor hunderten von Leuten zum jodelnden Affen gemacht.


Ich mit einem gezaehmten Lemuren, kurz bevor er mich angebiselt hat

Manchmal war es sehr schwierig fuer mich, zu den Leuten von der unvergelcihlichen Einzigartigkeit der Natur Madagaskars zu sprechen. Die meisten Leute hier sind naemlich nie aus Ambatoriha herausgekommen und die Landschaft hier ist staubig, abgeholzt und von riesigen roten Erosionskratern vernarbt. Wie sehr unsere Bemuehungen, das letzte Restchen Wald zu retten, hier auf fruchtbaren Boden fallen ist schwer zu sagen.



An einem Abend dann Alarm: In Charlies Fuessen hatten sich zwei grosse Beulen gebildet und wir haben schliesslich zwei dicke Maden aus ihren Zehen herausgedrueckt. Unglaublich ekelerregend! Seither kontrolliere ich meine permanent dreckverkrusteten Fuesse taeglich peinlich genau...

Hier laeuft alles ohne Uhr und das gefaellt mir eigentlich ganz gut. Fragt man jemanden, wann etwas stattfindet, so erhaelt man oft eine Antwort wie: "Treize heure trente gasy"- Malagasyzeit - irgendwann nach halb 2. Man geht hier nur kurz nach den Huehnern zu Bett und steht kurz nach Sonnenaufgang auf.

Jeden Abend werden Umweltbildungsvideos gezeigt. - es sind Musikvideos, die in der Natur coole Typen zeigen - die Idee finde ich brillant, das ganze Dorf ist anwesend und starrt gebannt auf das aufgespannte Bettlaken, das als Leinwand dient.
Ein Wort fuer die Spinnenfreunde: Waren es in Abodihasina noch feingliedrige, grosse Dinger, die zwischen den Baeumen hingen, so sind es hier etwas kleinere dafuer haarige Viecher mit dicken Beinen IM Zimmer, mein Adrenalinhaushalt ist also nonstop beschaeftigt...Immerhin habe ich eine Loesung fuer das WC-Haeuschen gefunden: Man setzt ein weinerliches Gesicht auf, sagt "Misy voakohy amny kabuné...malahelo zaho!" (Es hat eine Spinne auf dem Klo - ich bin traurig!) und eine nette Malagasydame kommt mit einem Stock und verjagt den Ursprung des Grauens waehrend sie sich ueber mich todlacht - ein zahlbarer Preis finde ich!

Thursday, October 25, 2007

Ambodihasina



Ambodihasina ist ein 1000 Seelen Dorf ca. 30 km weit weg von Andapa. Mit einem 4x4 brauchen wir 3 Stunden dafür, was genug über den Strassenzustand sagt. Zu dritt wurde uns dieses Dorf zugeteilt, hier würde unsere erste Aktivität stattfinden. Die Ankunft im Dorf war überfordernd. Sämtliche tausend Seelen waren anwesend und haben uns eingekreist, das war ziemlich klaustrophobisch! Auch als ich dann meine Gastfamilie für die 2 Wochen kennenlernte waren ca. 60 Kinder in dem Raum, in dem ich schlafen würde.

Meine Gastfamilie besteht aus Mr Devoir, ca. 45 (so genau wissen die Erwachsenenen hier das oft nicht), der aussieht wie 30, und der ca. gleichaltrigen Mme Devoir, die dafür die Schwester ihrer eigenen Mutter sein könnte. Sie ist eine spindeldürre, biegsame und sehr würdige Dame mit 4 übriggebliebenen Zähnen und langen dichten Wimpern. Meine 17jährige Gastschwester Razafindrasoma Constancine ist wunderschön und Mutter eines 1jährigen Bubens, den sie fast nonstop säugt. Die 13jährige Soafara Bienvenue Berthaline ist ein richtiger Teenie: Ihre Hände und Füsse sind zu gross, sie hat einen schlaksigen Gang und reisst permanent Witze, die dermassen nicht lustig sind, dass man einfach lachen muss. Mit ihr und der 5jährigen Soaclanie Endina habe ich ein Zimmer geteilt. Berthaline ist mir sehr ans Herz gewachsen; Die Stunden, in denen wir auf meinem Bett lagen, und ich ihr Englisch und sie mir Malagassywörter beigebracht hat, fehlen mir jetzt schon.

Da Constancine, wie so manche hier, ungewollt schwanger wurde, hatten sich die Devoirs einen Plan zurecht gelegt: Sie sollte einen Vazaha, zum Beispiel einen Schweizer heiraten und mit ihm ins Geldland gehen, während sie für ihren kleinen Sohn sorgen würden - sie selber hatten ja "nur" Töchter. Zum Glück war jemand dabei, der etwas Französisch sprach - dennoch wars extrem schwierig ihnen zu erklären, wieso das nicht so eine gute Idee ist und was mit Constancine passieren könnte. Auch dass ich jetzt nicht gerade 10 Freunde aufzählen konnte, die Constancine sofort heiraten würden haben sie schwer begriffen: schliesslich ist sie jung, hübsch, gesund und hat gute Zähne!

Das Haus der Devoirs ist eines der besseren in Ambodihasina, ca. 7x7 Meter gross
und mit Brettern in 4 Räume unterteilt. Privatsphäre gibt es in so einem Haus kaum, einzig nach dem Abendessen dudelt der Radio für 2 Stunden und man hört zur Abwechslung mal Musik und vorallem Krosen statt jede Bewegung der anderen Familienmitglieder. Gekocht wird über zwei Feuerstellen in einem seperaten Häuschen, das immer mit Rauch gefüllt ist. Dort wird auch gegessen, zusammengepfercht an einem kleinen Tisch. Nun sind wir tatsächlich bei den 3x täglich Reis angelangt, vor denen ich mich seit Monaten gefürchtet habe und tatsächlich musste ich eine ganz andere Haltung gegenüber Essen entwickeln: Hier isst man nicht, weils schmeckt, sondern weils den Magen füllt. Sobald man so denkt, gehts besser, man schaufelt sich etwas von der wässrigen Suppe in der ein paar undefinierbare Blättchen schwimmen auf den riesigen Berg Reis, was ihn flutschig macht und denkt an was anderes :-)

Zu speziellen Anlässen wird bei den Devoirs ein mageres Hühnchen geschlachtet, was zum Beispiel am Abschlussabend geschah. Da habe ich dann auch die Chance gepackt und eigenhändig ein Güggeli geschlachtet! Noch heute wurmt es mich, dass ich nicht mein scharfes Schweizer Sackmesser genommen habe, sondern das stumpfe Messerlein, das mir gereicht wurde - das arme Hühnchen wäre sicher schneller tot gewesen...

Unsere Aufgabe in Ambodihasina war das überprüfen eines Projekts "Amis des Lémuriens", das WWF vor eine Jahr gegründet hat. Schon beim ersten Meeting wurde uns klar - Es wurde rein gar nichts gemacht. Den Präsidenten des Vereins haben wir nur einmal zu Gesicht bekommen, der Vizepräsident war an jedem Meeting präsent, dafür ein völliger Trottel. Da nun aber Vazahas anwesend waren, war plötzlich wieder Interesse für die Sache da, was es eher schwieriger macht - man weiss hier nie so genau, ob sich die Leute für das Projekt interessieren oder für die Tatsache, dass ein fremder "Experte" es erklärt. Wir haben während der zwei Wochen dann Wiederaufforstungen besucht, Fischteiche besichtigt und Verbesserungesvorschläge dafür gemacht, zwei Expeditionen in den Regenwald unternommen, 4 Umweltbildungsanlässe in 4 Schulen organisiert, einen Malagasy Lemuren-Song kreiert (den am Schluss das ganze Dorf nonstop gesungen hat - ein Erfolg, doch wir konnten ihn nicht mehr hören :-) und versucht, den Amis-des-Lémuriens-Club wieder auf Vordermann zu bringen. Gestern haben wir nun den 7-seitigen Bericht auf Holperholper-Französisch und die vier Formulare (Sitzungsprotokolle, Wiederaufforstungs- und Fischteichdatenblätter sowie Transektbegehung zur Erfassung der Lemuren) beendet, die wir entwickelt hatten. Insgesamt finde ich, dass wir alles getan hatten, was wir konnten, doch gleichzeitig war es eine äusserst lehrreiche Lektion über die manchmal beelendende Conservation-Realität in einem Entwicklungsland.

Zuguterletzt noch ein zwei Worte über den Regenwald: Von Ambodihasina aus musste man jeweils 5 Stunden in die Hügel marschieren, um Reste davon zu finden. Diese waren dann dafür extrem faszinierend und wunderschön! Das erste mal haben wir keine Lemuren gesehen, wurden dafür von hunderten von Blutegel aufgefressen - die Dinger fallen da von den Bäumen und kriechen vom Boden hoch, sogar in die engen Socken sind sie geschlüpft und haben sich festgebissen. Eklig! Das zweite mal dann dafür 3 Lemuren! Es ist keine Legende - es gibt sie wirklich!! Ein tolles Erlebnis und eine grosse Motivationsspritze!

Nun sind wir alle zurück in Andapa und krank. Vorletzte Nacht hatte Melinda plötzlich 40 Grad Fieber und wir mussten mitten in der Nacht in den (Horror-)Spital rennen und einen Doktor suchen. Der hat uns Malaria-Tests mitgegeben - mir hat das Herz bis zum Hals geschlagen als ich mitten in der Nacht die Operationshandschuhe übergestülpt habe und ihr Blut entnommen habe.
Kein Malaria, immerhin, doch nun sind wir alle krank und die Weiterreise hat sich schon um einen Tag verzögert. Ich habe mittlerweile seit über einer Woche eine leichte Grippe, die gestern schlimmer wurde, weshalb ich mir einen richtigen Medikamentenhammer gönnte - hat ein bisschen geholfen, doch noch immer schmerzen alle Schleimhäute und ich liebe mein Bett.. Sorgen braucht man sich allerdings keine zu machen - das kommt schon gut!

Tuesday, October 09, 2007

Hoeflichkeitsbesuche

Zweiter und letzter Tag Malagasykurs. Mr, Ramanankevitra stand ziemlich gepruegelt vor uns und kaempfte immer wieder mit den Traenen. Dennoch gelang es uns, ihn ein bisschen aufzuheitern.
In der "grossen Pause" hatten wir dann zwei Hoeflichkeitsbesuche zu absolvieren. Wir mussten uns vor dem Buergermeister und dem Chef der Gendarmerie vorstellen und ihm nette Briefe von WWF ueberreichen. Sehr interessant, wie formal das alles vor sich geht!
Als naechstes stromern wir durch den Markt mit unserem Lehrer - angewandtes Malagasy-Training! Das geht eigentlich sehr gut, und als ich das erste mal was erstanden hatte ohne ein Wort Franzoesisch zu gebrauchen war ich fast ein bisschen stolz:-)
Am Ende des Unterrichts am Nachmittag hat uns Mr. Ramana um finanzielle Hilfe gebeten. Da wir bereits gesammelt hatten, uebergaben wir es ihm persoenlich, ich als Aelteste der Gruppe musste unvorbereitet eine Rede auf Franzoesisch halten, in die ich alle hoelfichen Formulierungen und Glueckwuensche packte, die ich je gehoert hatte - Hilfe, war das krumm, doch er schien zu klappen, er war dankbar und geruehrt.

Saturday, October 06, 2007

Malagasy

Malagasy-kurs!
Mr. Ramanankevitra ist ein duerres aelteres, doch heiteres Maennlein mit einem schlecht sitzenden Gebiss und lustigen funkelnden Augen. Er benutzt stets seinen regenschrim als Spazierstock, was ihm ein wuerdiges Aussehen verleit. Er Ist Professeur am Lycee von Andapa. Da er auch ein wenig Englisch spricht, ist er bestrebt, alles auf Franz sowie Englisch zu uebersetzen. Da ich alles Malagassy-Deutsch niederschreibe kriege ich nach kuerzester Zeit ein heilloses Durcheinander mit all den Sprachen.
Ramana ist ein richtig guter Lehrer und schon nach einem Morgen hat er uns die Aussprache dieser vormals so unaussprechlichen Sprache beigebracht. Der Unterricht ist sehr zielgerichtet, wir lernen die verschiedenen Grussformeln, Feilschen auf dem Markt, nach dem Weg fragen und Hoeflichkeiten austauschen.

A Salama! (Hallo)
B Salama! Iny vaovao? (hallo was gibt es neues?)
A Tsisy vaovao..iny maresaka? (Nichts neues...sonstige Neuigkeiten?)
B Tsisy maresaka! (Keine Neuigkeiten)

Das muss man jedes Mal vor Beginn einer Konversation sagen, sonst ist man schrecklich unhoeflich:-)

Kaum waren wir nach dem Kurs zurueck im Hotel, haben wir erfahren, dass das Haus und damit das gesamte Hab und Gut unseres Malagasy-lehrers niedergebrannt ist! Das passiert anscheinend oft, sind die Haeuser doch meist aus Holz und die Elektrizitaet alles andere als sicher installiert. Fuer uns ist klar, dass wir ihm helfen moechten, doch herauszufinden, wieviel angmessen, grosszuegig, doch nicht zu viel und nicht zu wenig ist, stellte sich als ziemlich schwierig heraus.

Am Abend ist das ein Konzert eines malagasy-Popstars ala Ricky Martin angesagt und ich stopfe mich mit fritierten Dingen voll, mit denen mein Magen etwas zu kaempfen hat. Das Konzert ist toll, doch auch hier sind wir wieder dauernd umringt von einer Menschenschar, sogar der Saenger ruft "Salut les vazaha" von der Buehne runter. Nach ein zwei Stunden habe ich ein bisschen genug von den 10 Kindern, die dauernd an mir rumturnen, sie auf nette Art und Weise loszuwerden ist allerdings sehr schwierig...

Friday, October 05, 2007

vazaha futsy!

Heute war Introductory Session mit Lanto, Chef de Projet auf dem Plan. Ausserdem war die gesamte WWF-Equipe anwesend, und hat uns freundlich in Empfang genommen. Zum Glueck bin ich mit Charlotte die PPT-Praesentation gestern schon mal durchgegangen und wir haben die schwierigsten Franzwoerter nachgeschlagen...Zu seinem starken Akzent kamen naemlich viele Fachausdruecke hinzu, und es erforderte ein Hoechstmass an Konzentration, um alles zu verstehen. Das "Projet Simpona", in dem wir arbeiten werden, kuemmert sich vorderhand um den Schutz des Propithecus diadema candidus, einem der gefaehrdetsten Lemuren Madagaskars. Dies beinhaltet vor allem den Erhalt seines Lebensraums, was wiederum bedeutet, dass die Leute den Wald nicht mehr so stark nutzen duerfen wie bisher. Ein Ziel ist es zum Beispiel, die Leute dazu zu bringen, ihre Haeuser kuenftig aus Stein zu bauen, statt aus Holz, was sicher schwierig sein duerfte, schliesslich ist die Art, ein Haus zu bauen auch immer ein Stueck Kultur, die man ungern aufgibt. Ein weiteres Ziel ist die Intensivierung des Reisanbaus, da man sich davon mehr Geld fuer die Bauern und damit weniger Druck auf die Nutzung des Holzes verspricht. Bin sehr gespannt, wie das im Detail aussieht!
Als wir am Mittag auf den Markt gehen um was zu essen, geraet die ganze Stadt in Aufruhr: "Vasaha futsy!" [vasafuz:-] = "weisse Fremde" rufen die Kinder und zeigen mit dem Finger auf uns. Ja, wir sind hier eine Riesenattraktion! Nach einer medizinischen Einfuehrung am Nachmittag durch einen zerbrechlichen kleinen Doktor, Dr. Hassan mit 4 Zaehnen, gab es dann eine Kostprobe madagassischer Kultur. Da die Ehefrauen zweier WWFler eben aus dem Spital entlassen und sich zuhause am auskurieren waren, machte sich die ganze Crew auf, um den traditionellen Krankenbesuch abzustatten. (Eine gute Idee - so kriegt wenigstens jeder etwas vom Virus mit...) Das laeuft immer nach dem gleichen Muster ab: Alle treten ein und schuetteln der noch matten Ehefrau die Hand. Dann ergreift der Aelteste das Wort und haelt eine Rede auf Malagasy. Dabei schaut er echt mitfuehlend und spricht mit sanfter, troestender Stimme. Dann ist der Ehemann an der Reihe und wiederholt die guten Wuensche. Dann darf die Ehefrau sprechen und muss alle auf den aktuellen Stand der Dinge bringen, sprich erzaehlen, was der Doktor gesagt hat und wie es nun weitergeht. Dann uebergibt ihr die einzige Frau im WWF-team einen Umschlag mit Geld und kuesst sie dreimal, anschliessend wird noch etwas geplaudert und schliesslich gehen alle wieder. Dieses Prozedere machen wir gleich zweimal mit, beim zweiten Mal laeuft allerdings der TV in voller Lautstaerke und der Chef ist am smseln, was niemanden zu stoeren scheint.

Thursday, October 04, 2007

Tana-Andapa

Heute heisst es ab in den Norden! Mit 1.5 Stunden Verspaetung hebt das FLugzeug ab und endlich sehe cih das Land von oben! Das zentrale Hochland ist trocken und staubig, Reisfelder muessen bewaessert werden und sonst ist hier Zebuland. Das Zebu ist das hiesige Rind und traegt geschwungene Hoerner. Sein Fleisch habe ich schon mehrmals probiert, es schmeckt ausgezeichnet, wie eine Mischung aus Rind und Wild.
Erstmals sind sind nun die gravierenden Erosionsschaeden an den Haengen zu sehen, da die Erde blutrot ist, sehen sie wie klaffende Wunden aus. Auch "Tavy", die Brandrodungspraxis ist erneut deutlich zu sehen, ganze Haenge brennen. Nach einer Stunde ueber den Wolken folgt dann der Sinkflug auf der Halbinsel Masoala, wo die Tiere und Pflanzen fuer unsere Masoalahalle entnommen wurden. Wieder unter den Wolken kann man hier das erste Mal Regenwald sehen, neben dem Meer sieht das wunderschoen aus! Eine weitere Stunde spaeter landen wir dann in Sambava, wo uns 3 lokale WWFler in Empfang nehmen um uns nach Andapa zu bringen. Unter ihnen ist auch Lantu, le chef du projet. Er ist sehr jung, was mich erstaunt - die Leute hier sollen hier scheinbar groessten Respekt vor den Aelteren haben. Nachdem Mittagessen (Langusten fuer 4 Franken) fuhren wir dann los, quer durch den regenwald, oder besser, was davon uebriggeblieben ist! Ich kann schwer beschreiben, wie sich die Gefuehle hier abwechseln; Einerseits dieses wunderschoene Gruen, andrerseits sieht man genau, dass der Primaerwald genau noch auf den hoechsten Huegelkuppen sowie an den Steilhaengen uebriggeblieben ist und sonst alles sekundaere Vegetation und Busch ist.
Erstmals kriegen wir nun auch genau zu sehen, wie wir bei der Gastfamilie ab naechster Woche leben werden: In geflochtenen
Bambushuettchen mit Wellblechdach und Sauen als Nachbarn.

Wednesday, October 03, 2007

tana 2

Hab grad meinen letzten Blogeintrag gelesen und musste lachen: ich hab "entzickelt" geschrieben als es um die Girls ging :-) Tatsaechlich ist Zickerei aber kein Thema, und obwohl wir uns sicher schon besser einschaetzen koennen, und sich der erste Eindruck mehr oder weniger bestaetigt hat, bin ich nun doch ueberzeugter, dass das schon gut kommt mit der Gruppe. Bin bloss froh, bin ich nicht heikel was Essen betrifft und nicht Vegi, wie zwei andere; das Prinzip wird hier naemlich nicht verstanden, schon gar nicht im Norden oben, wo dann das Problem der Verstaendigung noch hinzukommt. Ab naechster Woche irgendwann werden wir dann in unseren Gastfamilien untergebracht, meine spricht anscheinend kein Wort Franz!! Ich bin nun wirklich motiviert, Malagassy zu lernen, so gut es geht! Diese Sprache scheint so schwer zu sein.. alles wird total anders ausgesprochen, als man es schreibt! Wir werden in den naechsten Tagen einen 4-taegigen Malagassykurs absolvieren, mit meiner Freude an komischen Sprachen freue ich mich natuerlich besonders darauf. Zwei Volontaere vom Programm vorher (Julie aus Zuerich...fuer die, die sie kennen...hihi) haben uns erzaehlt, dass man in der Zeit doch recht viel lernen kann.
Heute hat uns der Chef von WWF Madagaskar eine Einfuehrung ins lokale Forstmanagement gegeben und uber Deforestation und Erosion gesprochen. Das war soo spannend, vorallem auch zu sehen, an was fuer Problemen man scheitern kann!Mit dem Mangel an Fachkraeften faengt es an und reicht bis zu "Fady", den von Ort zu Ort verschiedenen Tabus, die in Madagaskar grossgeschrieben sind. Was nuetzt Aufklaerungsarbeit, wenn es z.B. Fady ist, ueber den Wald zu sprechen? Dinge wie diese koennen wahnsinnig viel Kreativitaet erfordern, da sie ganz anders angegangen werden muessen. Ich habe gelesen, dass vielerorts Zeichungen/Comics gebraucht werden, um die Leute fuer ein Umweltproblem zu sensibilisieren und bin froh, meinen Computer mitgebracht zu haben-sowas wuerde ich naemlich gerne versuchen.
Mit meinem Franzoesisch laeuft es super, viel besser als befuerchtet! Ich stammle zwar, verstehe aber das allermeiste, wohl auch, weil ich viele Fachausdruecke schon kenne. Mit Julie Schweizerdeutsch zu sprechen war uns allerdings schon sehr fremd..
Heute nachmittag haben wir frei und ich werde wohl noch etwas in der Stadt rumstreunen. Veluma!

Monday, October 01, 2007

Antananananananrivo

DerAnflug in Antananarivo war merkwuerdig; in dem ganzen Land schient kein Licht zu brennen und das kurz vor der Ladnung! Nur Braende durchzogen das Land wie krumme Schlangen...
Am Flughafen dann ein Riesenchaos... Ca tausend Leute wartetetn auf die Einreise und nur 3 Beamte stempelten die Paesse und liessen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ich mich aber auch nicht ;-]
Endlich draussen wurde ich von 2 WWFlern in Empfang genommen, Sahondra, die meine Gruppe betreuen wird, ist eine winzige, suesse Person, die mir gleich supersympatisch ist. Von jetzt an heisst es Franzoesisch sprechen und das geht eigentlich sehr gut!
Antananarivo ist eine heruntergekommene aber charmante Stadt. Und abends tatsaechlich nur spaerlich beleuchtet! Gestern hab ich dann die anderen Girls getroffen. Lustig wie man gleich ein Gefuehle entzickelt, mit wem man sich gut verstehen wird! Charlie aus England und Nicole aus Australien sind mir sehr sympatisch und die anderen.. man wird sehen...
Ich werd morgen mal noch versuchen mehr zu schreiben, ich muss looooos...

Saturday, September 29, 2007

winke winke aus jourg

Gestern war Payday in KwaZulu Natal, wo ich bis gestern war. Das heisst, dass tausende von Sugarcane-workers bei der Bank angestanden sind um ihren Lohn abzuheben und gleich mal einen gehoerigen Teil davon zu versaufen. Dementsprechend war die Stimmung gestern auf dem Bus von Pietermaritzburg nach Joburg. Die Haelfte der Leute war schon im Koma und hat vor sich hingeschnarcht, die andere war aufgedreht und freute sich, uebers Wochenende die Familie zu besuchen. Es war extrem ungemuetlich, vorallem weil ich meinen kleinen Sitz noch mit all meinen wichtigsten Habseligkeiten versperrt habe, die ich nicht im Trailer lassen wollte. Total zersclagen bin ich morgens um 5:30 in Johannesburg aus dem Bus geflogen und hielt vergebens nach Sifiso Ausschau, der mich eigentlich abholen wollte. Nachdem ich mir von einem Zulu-Securityguard erklaeren liess, dass die meisten Schwarzen die Weissen am liebsten umbringen moechten (genau was du hoeren willst am morgen frueh an einem duesteren Busstop), er aber als einziger die loebliche Ausnahme sei, habe ich dann Sifiso aus dem Schlaf geklingelt und er kam mich endlich abholen. Wir fuhren in sein Haus, wo ich gleich ins Delirium fiel und erst mal 3 Stunden pennen musste. Den Rest des Nachmitags haben wir auf seiner Terasse verbracht, die Daecher von Soweto betrachtet und ein bisschen philosophiert. Jaja, der Mann kann salbungsvolle Worte schwingen ;-) Fast zuviel manchmal...
Nun sitze ich hier am Flughafen, mit blitzschnellem Internet und geniesse die quasi letzte vernuenftige Verbindung ueber den Aequator! Keine Ahnung, wann ich wieder schreiben kann, die naechste Woche vielleicht noch, und dann....nur der Lemur weiss es...

Friday, September 28, 2007

Zuckerrohr

Endlich wird es hier so sonnig wie man sich das von Sueadafrika gewoehnt ist. Ich bin beschaeftigt, noch alles zu erledigen, was ich noch muss und das (wenn auch zum einschlafen langsame) Internet zu geniessen. Ausserdem lese wie wahnsinnig, damit ich noch ein weiteres schweres Buch hier lassen kann und nicht in den Regenwald schleppen muss.
Gestern bin ich ein gutes Stueck weiter gekommen mit meiner Semesterarbeit. Allerdings sieht alles anders aus als geplant, aus diversen Gruenden macht es keinen Sinn, mein urspruenglich geplantes Thema durchzuziehen. Werde stattdessen versuchen herauszufinden, was man mit der staubig dreckigen Schlacke machen kann, die hinten aus der Zuckerrohrmuehle herauskommt. Jaja, auch damit beaschaeftigt sich eine zukuenftige Umweltingenieurin :-) Ein spannendes Thema, das aber noch praezisiert warden muss. Mein zukuenftiger Betreuer, Friedel Eggers, ein kleiner, netter Schrumpelmann, scheint mir zuverlaessig und fachlich gut zu sein. Am Nachmittag hab ich dann die Zuckerrohrfabrik besichtigt und den ganzen Weg vom Rohr zum frischen, noch lauwarmen Zucker verfolgt. Sehr spannend, vorallem der Punkt, wo ein bisschen hinzugefuegter Zucker in der Molasse einen Kristallisationsprozess einleitet.

Heute abend werde ich den Bus nach Johannesburg nehmen und morgen um 5:40 da ankommen. Der arme Sifiso, er wird mich abholen, weiss aber noch nicht, wie frueh ich ankomme. Es geht ihm nicht gut im Moment, waehrend er in Amerika war wurde sein Haus ausgeraeumt und offensichtlich ist nichts mehr da, wofuer er die letzten paar Jahre hart gearbeitet hat. Seine Vermutung: Er habe vor 3 Monaten mit seiner Freundin Schluss gemacht und er glaubt, dass sie sich an ihm raechen wollte…Wenn das wirklich so ist, ist ihr das gelungen.

Wednesday, September 26, 2007

Chillen und arbeiten in Suedafrika

Es fiel mir nicht ganz leicht, mein Tempo der letzten Wochen zu drosseln. Schliesslich will ich in Suedafrika dieses mal nicht bloss relaxen, sondern was erreichen, meine Semesterarbeit fuer Januar aufgleisen! Einerseits wollte ich am liebsten gleich loslegen, andrerseits auch nicht den Stresskopf vom Dienst spielen, der den Gastgebern schon in den ersten Stunden auf den Sack geht. Schon am Montag haben wir dann allerdings den Strand verlassen, weil Bjorn, das mittlere Klippchen sehr krank wurde und mit Verdacht auf Billharziose ins Spital musste. So tragisch die Umstaende (es geht ihm allerdings schon besser – obwohl man immer noch nicht weiss, was er hat), so sehr passte es mir in den Kram, da ich nun seit Montag auf der Farm bin, mit verschiedenen Leuten sprechen konnte und morgen den Chef-Agronomen des Bezirks treffen werde. Er wird mir helfen, mein Thema (Energie und Waermegewinnung aus Zucherrohrblaettern) einzugrenzen und so zu Faden zu schlagen, dass ich es in einem Monat schaffen kann, die Fragestellung zu bearbeiten. Klipps haben mir fuer Januar sogar ein Auto besorgt, sodass ich von Farm zu Farm brausen kann und mit den verschiedenen Leuten sprechen kann. Soweit also alles paletti, vorallem seit ich nun weiss, dass ich die Pruefung in Pflanzensystematik bestanden habe (was hab ich gezittert…) und meinen Auslandaufenthalt wie geplant durchziehen kann! :-)

Friday, September 21, 2007

Qatar - Jobie

Als der Sinkflug eingeleitet wurde, waren wir noch nicht mal ueber dem kleinen Emirat von Qatar, das wie ein kleiner Pickel in den persischen Golf sticht. Ich traue meinen Ohren nicht, als der Pilot die Temperatur ankuendigt: 31 Grad, und das morgens um 5! Doch nicht genug der Hiobsbotschaften: “Please remember that it is the holy month of Ramadan and eating and drinking is not permitted after sunrise!” Erschrocken blinzle ich nach draussen – es besteht keine Moeglichkeit den Zustand da draussen als Nacht zu deklarieren – das waers dann gewesen mit Trinken fuer die naechsten Stunden… Ich fluechte durch die morgenliche Hitze in den klimatisierten Aufenthaltsraum und widme mich wieder Frau Jolie, bis es um 8 Uhr endlich weitergeht. Im Bus zum Flugzeug aergere ich mich ueber zwei Englaenderinnen, die mit dem betupften Securitymann flirten und ihm dabei ihre Bauchnabel durch den Ausschnitt zeigen. Unmittelbar dannach lassen sie sich mit geniesserischen Toenen kaltes Wasser in die gierigen Rachen laufen - mir wird schlecht ab so viel Ignoranz und meinem eigenen Durst.
Endlich in Johannesburg! Nun bin ich schon seit 18 Stunden unterwegs und schleppe mich halbtod vor Durst durch den allzubekannten Flughafen. Geldwechseln, Trinken, Sushiessen, Einchecken, weiterfliegen.
Nach ziemlich genau 24 Stunden war ich endlich bei Klipps in ihrem Beachhouse in Uvongo. Mit dem Rauschen des Meeres schlief ich ein, schlief so tief, dass ich auch die Diebe nicht bemerkte, die mitten in der Nacht ueber die Mauer kletterten, sich die Fassade hochstemmten und durch die Gitterstaebe Franks Handy und sein Schweizer Sackmesser klauten…

Thursday, September 20, 2007

und furt...

Guido und ich stehen am Bahnhof Hardbruecke und warten auf den Zug zum Flughafen, als es mich ploetzlich heiss und kalt durchzuckt: mein Pass! Er liegt noch immer weit aufgespreizt in meinem Scanner!Nach ein paar hektischen Worten renne ich los, in meinen Bergschuhen, die keinen Platz mehr in meinem monstroesen Rucksack gefunden hatten. Klock-klock, ich seckle was das Zeug haelt und werde ziemlich schief angekuckt. Zum Glueck haben wir genug Zeit eingerechnet, es wird gut reichen.
Dann am Check-in von Qatar-Airways: Ich weiss genau, wieso ich schon zuhause so nervoes war! Die Waage zeigt 25 kg an, erlaubt waeren 20. Schon hier schaut die nette Lady etwas bedrueckt, als ich dann aber mein Handgepaeck auf die Waage wuchte und es satte 15kg statt 7 wiegt, schuettelt sie nur noch bedauernd den Kopf. Nach langem Hin und Her, stellt sich dann heraus, dass Computer, Kamera und Stativ separat zaehlen, aber auch getrennt getragen werden muessen, womit mein Rucksack auf 7.5 kg schrumpft!! Uff! Mit 4 Handgepaeckstuecken wackle ich schliesslich zur Passkontrolle, wo es dann doch einiges an Ueberwindung braucht, um jetzt ganz alleine da durchzugehen und alles hinter mir zu lassen….

Qatar-Airways ist eine schicke Airline, mit ca. 100 Movies im Angebot. Da ich aber aus dem Hause Ruf-Steiger einige Schmuddelheftchen mit auf den Weg bekommen hatte und bestrebt war, etwas Gewicht loszuwerden, habe ich mir die Nacht mit Angelina Jolies Gewichtsproblemen und den erfolglosen Singversuchen von Kylies kleiner Schwester und die Ohren geschlagen.

Wednesday, September 05, 2007

Gugus

Hello world!