Frederik
Frederik ist ein Forstbeauftragter in Ambodihasina. Er spricht etwas Franzoesisch und Englisch, was ihn zu einer Ansprechsperson fuer uns machte. Frederick besitzt nur noch 2 Zaehne im ganzen Mund und ist dementsprechend schwer zu verstehen. Da er einen Parasiten in der Mundhoehle hatte, wurden ihm fast alle Zaehne aufs Mal entfernt, was ihm jedesmalTraenen in die Augen treibt, wenn er davon erzaehlt.
Zahnaerzte, die nach Madagaskar kommen, waehnen sich hier entweder in der Hoelle und geben sich die Kugel oder sie eroeffnen eine Praxis und verdienen ein Vermoegen. Noch nirgends habe ich so schreckliche Zahnstellungen und so viel Karies gesehen!
Doch zurueck zu Frederik. Als ich ihn eines Abends bat, mich von einem Meeting durch die stockdunkle Nacht nach Hause zu begleiten, hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich um ein "Cadeau" gebeten. Das Schweizer Sackmesser, das ich meinem Gastvater gegeben haette, so eines wuerde ihm aeusserst gefallen! Noch musste ich mich daran gewoehnen, dass viele Leute genau wussten, was sie von mir wollten.
Marie-Helène
Marie-Helène ist Agent de terrain und Fischfarmexpertin beim WWF Andapa und in diesem Team die einzige Frau. Da die ganze WWF Equipe oft fuer Wochen in den abgelegensten Gebieten unterwegs ist, ist sie oft von ihren 2 entzueckenden Toechterchen und ihren Mann getrennt, meist kann sie nicht mal per Telefon mit ihnen sprechen. Ich habe selten eine so starke Frau getroffen.
Waehrend unserer Arbeit in den kleinen Doerfern hat sie unsere Gruppe jeden Morgen mit "Les jeu-eunes!" aufgeweckt und bereits den besten, stark gezuckerten Kaffee mit Kondensmilch gekocht.
Da ich 2 Wochen lang ein Zimmer mit ihr geteilt habe, hat sie verwundert meine Feuchttuechlein getestet, meine Hand gehalten, als sich meine Gedaerme ausstuelpen wollten und mich jede Nacht mindestens einmal aufgeweckt, um mich schlaftrunken etwas komisches zu fragen.
Und wie stylish ist das: Selbst im Wald hat Marie-Hélène jeden Tag ihre Haare zu Locken aufgewickelt und die Lockenwickler stundenlang unter einem Kopftuch in den Haaren gelassen. Wenn das keine Klasse ist!

Dadilahy
Rasbe ist selbststaendiger Chauffeur mit einem alten klapprigen Toyota Landcruiser. Fuer unsere Tour von Andapa nach Ambatoriha wurde er angeheuert und hat mich, Charlie und Marie-Hélène 3 Tage lang durch die Einoede des Nordens gefahren. Dabei hat er uns alles auf der Strecke genau erklaert und wurde nie muede anzuhalten, um uns etwas zu zeigen. Jede neue Frucht am Strassenrand mussten wir testen und aus allen hat er die Kernen herausgeklaubt, weil wir sie zuhause setzen sollen.
Dadilahy heisst Grossvater, und Rasbe hat sich bis zum Ende der Journées des Lémuriens zu unserem malagasy Grossvater und Beschuetzer erklaert. Bei unserer Ankunft in Ambatoriha hat er die dicken Spinnen in unserem Zimmer zerdrueckt. Wenn wir Abends ausgingen, ist er nie von unserer Seite gewichen und hat uns aufdringliche Typen vom Hals gehalten. Als ich ihm ein Schweizer Sackmesser geschenkt habe, ist er vor Stolz fast geplatzt, hat instantan 10 Mangos aufgeschnitten und immerzu "Gniffff! Gniffff!" (=knife) gesagt.
Mickey Mouse
Mickey Mouse ist ein kleiner Junge in Analila mit einem zerschlissenen Mickeymouse-shirt, einer riesigen Zahnluecke und viel Mut - auf Distanz.
Wie die meisten Kinder in Analila hat er wohl noch nie einen weissen Menschen gesehen und war deshalb sehr fasziniert von uns-was sich in dauernder Nerverei und Gejohle aeusserte. Da ich es mir zur taeglichen Routine gemacht hatte, die Kinder, die jeweils schon kurz nach Sonnenaufgang in unserem Tuerrahmen klebten, zu erschrecken und mit theatralischem Gekeife hinter ihnen herzurennen, ist mir eines Morgens Mickey Mouse in die Finger geraten und ich habe ihn an einem Arm festgehalten. Mickey hat offensichtlich gedacht, dass ihn der leibhaftige Teufel gefangen hat und hat geschrien wie am Spiess. Der arme Zwack hat mir leid getan, und ich wollte mich mit ihm aussoehnen - es hat aber zwei Tage und die Ueberzeugung seiner Mama gebraucht, bis er mir schuechtern sein dreckiges Haendchen hingestreckt hat.
Vaveline
Vaveline ist die einzige Frau, die ich in Madagaskar gesehen habe, die raucht wie ein Kamin. Sie und ihr Ehemann wurden als Koeche angeheuert, als wir in den Regenwald aufbrachen. Da sie den Wald hasst, war sie die ganze Zeit miesepetrig drauf und hat sich die Zeit damit vertrieben, aus unserem Mehl Teigbroetchen "mofo gasy" zu backen, die sie uns dann ueberteuert verkaufen wollte. Auch als wir spaeter in eine andere Gemeinde reisten um dort Waldinventar zu machen, hat ihr das gar nicht gepasst. Zigmal am Tag hat sie uns angemault und "Antilongo ist schlecht, Analila ist gut" gemurmelt.
Zurueck in Analila hat sie uns ihre Petflaschensammlung gezeigt; Ihr ganzes Schlafzimmer ist voller Petflaschen und sie selber hat sich sofort oben frei gemacht und wollte sich halbnackt vor ihren Flaschen von uns ablichten lassen.
Sowieso war sie sexuell aeusserts freizuegig drauf: Mit Haenden und Fuessen hat sie uns jeweils erklaeren wollen, was sie mit ihren Ehemann so alles anstellt...
Ausserdem ist sie taeglich mit leeren Doeschen vorbeigekommen und hat uns Bodylotion abgeluchst. Ein Original, diese Frau!
Mme Henriette
Mme Henriette ist eine huebsche Frau Ende vierzig, die eine Reisfabrik in Ambatoriha besitzt. Als eine der wenigen in diesem Dorf spricht sie perfekt Franzoesisch, und dazu hat sie viel zu erzaehlen! Eigenhaendig hat sie vor wenigen Jahren 3000 Baeume gepflanzt, um gegen die Entwaldung anzukaempfen. Ausserdem ist sie sehr aktiv in der Ausbildung von Frauengruppen vor allem was die Bereiche Familienplanung und Haushaltfuehrung betrifft. Eindringlich hat sie auf mich eingeredet und mich als Vertreterin von WWF beschworen, ja wiederzukommen naechstes Jahr, sonst nuetze die ganze Sensibilisierung der Bevoelkerung gar nichts. Mir ist in den vielen Gespraechen mit ihr erst klar geworden, wie sehr viele Menschen ihre Hoffung auf Organisationen wie den WWF setzen.
Sahondra Razafintsalama
Sahondra ist die Betreuerin aller Praktikanten in Tananarive. Sie sorgt dafuer, dass alles reibungslos ablaeuft und stellt das Programm zusammen. Sahondra (sprich Sahundsch) ist knapp 1.50 gross und ihr Lachen geht von einem Ohr zum andern. Wenn sie lacht, beben die Fensterscheiben und das Herz springt einem in der Brust vor Waerme. Wir waren keine einfache Gruppe fuer sie. Krankheitsnotfaelle mitten in der Nacht, Inselausflugextrawuerste als Zeit uebrig war und mitten im Dschungel hat Alicia aus Mexico beschlossen, dass sie nach Hause moechte. So sind wir also 4 Mal auf einen Berg geklettert, wo ein bisschen Handyempfang war um Sahondra zu telefonieren und die hat es doch tatsaechlich fertiggebracht, von Tana aus Alicias Rückreise from the middle of nowhere zu organisieren. Als sie uns in Antsohihy in Empfang nahm hat sie uns Kuchen von Tana gebracht, was ein Kreischkonzert sondergleichen ausloeste. Und auch in der letzten Woche in Tana hat sie sich alle Beine fuer uns ausgerissen: Hat mein franzoesisches Voice-over gesprochen, Charlies Malagasyinterviews uebersetzt, dazwischen schnell die sich kruemmende Miriam zum Bauchspezialisten begleitet und alle Abreiseformalitaeten erledigt. und das alles mit ihrem unvergleichlichen Lachen und sehr, sehr viel Schwung.


















