Thursday, November 29, 2007

mail entsperrt

meine mailadresse martina(at)porchben.ch ist wieder entruempelt und reaktiviert! man darf mich also wieder mit mails begluecken:-)

Tuesday, November 27, 2007

TIA - This is Africa!

Da das Wetter dauernd wunderschoen war, konnten wir unsere Arbeit im Regenwald eine Woche frueher als geplant abschliessen und sind nach Ambatoriha zurueckgekehrt. Von da wollten wir eigentlich in eine groessere Ortschaft mit Elektrizitaet um mit der Abschlussarbeit fuer den WWF International anzufangen. Allerdings machte sich hier unangenehm bemerkbar, dass wir halt eine reine Girltruppe sind - es sei zu gefaehrlich fuer uns alleine nach Antsohihy zu gehen, wir muessen in Ambatoriha auf den WWF-Chef warten. Das drueckte auf die Stimmung, weil wir hier nicht viel tun koennen und vor lauter Langweile habe ich mich mit einem Berg Mangos und fritierten Röllchen vollgestopft. Die Rache kam prompt: ich wurde ziemlich krank. Aus Mangel an medizinischer Versorgung habe ich mich selber diagnostiziert und eine Amoebenkur begonnen. Das hat sich zuerst erfolgsversprechend angefuehlt, doch dann Rueckfall und haeuslich Einrichten auf dem Horror-WC. Nun habe ich allerdings einen Dokotera gesehen, ein starkes Antiparasitikum geschlucht und bin wieder auf dem Damm - was fuer ein grueseliger Parasit es war, wissen allerdings nur die Daerme...
Gestern sind wir nun in Antsohihy angekommen und haben die erste Dusche seit 1 Monat genossen, sowie in ekstatischer Freude alle unsere Geraetchen an den Strom gehaengt. Nun kanns losgehen mit den Filmbeitraegen fuer WWF-International!

Tuesday, November 20, 2007

Regenwald - oder das Ende der Welt in Analila


Analila ist ein winziges Dorf und scheint nun definitiv das Ende der Welt zu sein. Kein Gemuese, keine Fruechte, nur Reis, Bohnen und getrockneter Fisch. Unsere Aufgabe hier: einen Verein zu gruenden, der in Zukunft fuer die nachhaltige Nutzung ihres Stueckchen Regenwaldes verantwortlich sein wuerde. In einem Klassenzimmer versammelte sich die ganze Fokontany (Gemeinde) und in aufwaendigem Prozedere wurden Praesident, Vizepraesi, Sekretaer, SChatzmeister, Kontrolleur des Schatzmeisters und Berater gewaehlt. Alles schien ritualisiert und genau nach Plan abzulaufen. Dieser Tag barg uneahnet kulinarische Hoehepunkte: zum zmorgen (!) gabs Zebudarm garniert mit Zebumagen (5 Girls minus 2 Vegis minus 2 Angewiederte=Martina muss die Ehre retten und es essen...) und zum Nachtessen kakerlackenaehnliche Kaefer in Knoblauch grilliert. Ein schockierendes Bilde doch aeusserst lecker!


Am naechsten Tag wurden starke und ortskundige Maenner fuer unsere Arbeit im regenwald rekrutiert. Ziel ist es, nach einer standartisierten Methode die Baeume in ihren verschiedenen Altersgruppen zu erfassen, zu bestimmen, zu zaehlen und auszumessen. Nebst Traegern, einem Kochehepaar und Wegfreischläger wurde deshalb ein ortsansaessiger Botaniker engagiert.
Unser Camp im Regenwald wurde ziemlich ruecksichtslos in die Vegetation gehauen. Zu viele junge Baeume wurden gefaellt um ueberfluessige Dinge wie eine Gepaeckablage zu bauen. Auch das unter anderem mit frisch geschlagenem Holz gekocht wurde, wo doch so viel Holz am Boden liegt, scheint nicht so recht mit der WWF-Philosophie uebereinzustimmen.


Der Regenwald ist wunderschoen und manchmal komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Da es kaum geregnet hat in letzter Zeit konnten wir kaum Froesche beobachten, dafuer die abgefahrensten Kaefer und stachelige, ätzende und wunderschoene Pflanzen. Eines Nachts habe ich mit meiner Lampe einem Lemuren mitten in die Kulleraugen gezuendet - sonst haben sich die Kerle leider sehr rar gemacht.

Die Vegetation ist so dicht, dass die starken Kerle mit ihren fetten Messern (Coupe-coupe) zuerst den Weg freihauen muessen. Oft kriechen wir auf allen vieren, die Beine und Arme sind zerschnitten und bluten dauernd. Doch das Einschlafen im Regenwald in einem Konzert von Pfeiffen, Surren, Scharren, Singsang und Blaetterrauschen entschaedigt fuer alle Muehen.

Monday, November 05, 2007

Journées des Lémuriens

Unsere naechste Aktivitaet fuehrte uns nach Ambatoriha, ein 5000-Seelendorf nicht weit von Andapa entfernt. Da es allerdings keine Strasse dahin gibt, mussten wir einen enormen Umweg machen und 3 Tage lang ueber die schlimmste Strasse hoetterlen, die ich je gesehen habe. Unsere 3 Autos waren in unterschiedlichem Zustand; Charlie und ich hatten das schlimmste erwischt und kamen jeweils bis zu 6 Stunden spaeter in unserem Nachtlager an. Gemaess dem Tophit auf der einzigen Musikkasette in unserer Karre, (die ca. 20x taeglich rauf und runtergedudelt wurde) nannten wir uns "Taxi Desolé".


In Ambatoriha nahmen wir an der Organisation und Durchfuehrung eines 5taegigen Lemurenfestes teil. Fast die ganze WWF-Crew war seit 2 Wochen dort und hat die zustaendigen Bauern in Waldmanagement und nachhaltiger Waldnutzung geschult. Das Fest sollte ein bombastischer Abschluss dieser Taetigkeit werden und mmoeglichst alle Bevoelkerungsschichten fuer die Ziele von WWF sensibilisieren.

Da wir uns langsam daran gewoehnt hatten, fuer nichts und wieder nichts die Sensation des Tages zu sein, war auch schnell klar, was unsere Hauptaufgabe sein wuerde: Durch unsere Anwesenheit moeglichst viele Leute anzulocken. Noch immer fuehlt es sich komisch an, dauernd umringt zu sein von einer Menschentraube und ich habe hier viele Paris-Hilton-Momente erlebt ;-)
Bei der Eroeffnungsrede stellten wir uns dann dder Bevoelkerung vor und hielten feurige Reden in simpelstem Malagasy. Wir interviewten den "Monsieur le Ministère de Development" und viele hochrangige Persoenlichkeiten, die gutgenaehrt und in abgedunkelten Sonnenbrillen permanent auf ihrem Handy herumdrueckten, obwohl es hier keinen Empfang gibt. Nach einem gemeinsamen Gebet waren die "Journées des Lémuriens" eroeffnet, Musik scherbelte nonstop aus den Boxen und verschiedene Aktivitaeten fanden auf der schiefen Bretterbuehne statt. In einem "Concours culturelle" habe ich mich dann zu einer Performance von "Detaene am Bergli" hinreissen lassen und mich vor hunderten von Leuten zum jodelnden Affen gemacht.


Ich mit einem gezaehmten Lemuren, kurz bevor er mich angebiselt hat

Manchmal war es sehr schwierig fuer mich, zu den Leuten von der unvergelcihlichen Einzigartigkeit der Natur Madagaskars zu sprechen. Die meisten Leute hier sind naemlich nie aus Ambatoriha herausgekommen und die Landschaft hier ist staubig, abgeholzt und von riesigen roten Erosionskratern vernarbt. Wie sehr unsere Bemuehungen, das letzte Restchen Wald zu retten, hier auf fruchtbaren Boden fallen ist schwer zu sagen.



An einem Abend dann Alarm: In Charlies Fuessen hatten sich zwei grosse Beulen gebildet und wir haben schliesslich zwei dicke Maden aus ihren Zehen herausgedrueckt. Unglaublich ekelerregend! Seither kontrolliere ich meine permanent dreckverkrusteten Fuesse taeglich peinlich genau...

Hier laeuft alles ohne Uhr und das gefaellt mir eigentlich ganz gut. Fragt man jemanden, wann etwas stattfindet, so erhaelt man oft eine Antwort wie: "Treize heure trente gasy"- Malagasyzeit - irgendwann nach halb 2. Man geht hier nur kurz nach den Huehnern zu Bett und steht kurz nach Sonnenaufgang auf.

Jeden Abend werden Umweltbildungsvideos gezeigt. - es sind Musikvideos, die in der Natur coole Typen zeigen - die Idee finde ich brillant, das ganze Dorf ist anwesend und starrt gebannt auf das aufgespannte Bettlaken, das als Leinwand dient.
Ein Wort fuer die Spinnenfreunde: Waren es in Abodihasina noch feingliedrige, grosse Dinger, die zwischen den Baeumen hingen, so sind es hier etwas kleinere dafuer haarige Viecher mit dicken Beinen IM Zimmer, mein Adrenalinhaushalt ist also nonstop beschaeftigt...Immerhin habe ich eine Loesung fuer das WC-Haeuschen gefunden: Man setzt ein weinerliches Gesicht auf, sagt "Misy voakohy amny kabuné...malahelo zaho!" (Es hat eine Spinne auf dem Klo - ich bin traurig!) und eine nette Malagasydame kommt mit einem Stock und verjagt den Ursprung des Grauens waehrend sie sich ueber mich todlacht - ein zahlbarer Preis finde ich!